Vor etwa einem Monat habe ich eine grundsätzliche Entscheidung getroffen, die mir nicht leicht gefallen ist und immer noch nicht leicht fällt. Es folgt ein bisschen persönliches Gelaber und Abwägen und Trotz und Trotzdem.
Mein Vertrag an der Uni endete mit der Emeritierung meines Chefs im Sommersemester. Ich dachte: Ok, dann kriege ich ein Jahr ALG 1 und habe am Ende entweder durch einen von mir geschrieben DFG-Antrag eine Stelle oder gehe ins Vikariat. Diese Rechnung habe ich gemacht, bevor mir klar wurde, wie so eine Rigorosumsvorbereitung läuft.
Denn auch wenn Prüfer*innen sagen, dass das ein Gespräch unter Gelehrten wird. In dem Augenblick, in dem es auch um Literaturlisten und Noten geht, ist es irgendwie mehr als ein Gespräch.
Dazu kommt der Winter mit Erkältungswellen bei uns, in der Krippe mit daraus resultierenden kürzeren Öffnungszeiten etc. Auf jeden Fall klappt es jetzt nicht, dass ich wirklich meinen Antrag neben der Rigorosumsvorbereitung her geschrieben kriegen.
Mir läuft also die Zeit weg. Und dann wurde es mir im Gespräch bewusst: Es läuft auf Vikariat hinaus. Und warum dann nicht schon im Frühjahr, wenn ich es als Plan B ab September sowieso angenommen hatte.
Und trotz der zu dem Zeitpunkt 10 Wochen verstrichenen Bewerbungsfrist hat es geklappt. Ab März geht es los. Und damit fühlt sich auch das Finanzielle wieder überlebbarer an, weil ich für mich schlecht damit klar kam/komme, obwohl es nur eine „Phase“ ist, dass ich „nur“ ALG 1 (immerhin ja 65% von meinem vorigen 50%-E13) bekomme.
Aber ich trauere. Ich trauere dem nach, was war. Ganz besonders eindrücklich letzten Mittwoch in München. Ich trauere jede Woche, die ich nach Göttingen im Zusammenhang mit meinem Lehrauftrag dort fahren darf, darum, dass ich bald nicht mehr mit interessierten Theologiestudierenden zusammenarbeiten darf. Was war, war gut und schön für mich. Das hätte ich gern noch mehr, aber gerade gibt es keine Stelle/keine Person, die mir eine Stelle in Aussicht stellt.
Was bleibt ist, dass das Antragschreiben noch nicht komplett ad acta gelegt ist. Ich glaube, dass da viel zu holen wäre bei dem Thema (halte mich jetzt hier noch bedeckt aus strategischen Gründen) und ich bin froh, dass es Menschen gibt, die auch in diese Richtung arbeiten wollen würden – allein es fehlt das Förderformat.
Was bleibt ist, ich würde sehr gern noch einmal einen komplett anderen zeitlichen Bereich (Frühe Neuzeit) unter einer anderen (d. h. nicht primär in genderspezifischer) Hinsicht bearbeiten. Denn to be honest: Das ist das Coolste. Das Sich-Reinfuchsen. Womöglich vorher Unbekanntes finden. Zugänge suchen und hoffentlich passende finden. Das war schön!
Was kommt ist das Vikariat und darin eine Arbeit kennenlernen, wegen der ich einmal das Theologiestudium begonnen habe; mich in den letzten Jahren aber auch immer mehr gefragt habe, warum ich nicht (mindestens auch) Geschichte studiert habe.
Klar, als Theolog*in haben wir das weichste Bett als Geisteswissenschaftler*innen. Da ist viel Mimimi bei mir. I see.
Aber wenn mensch schon einmal das gefunden hat, was Freude bringt, ist es traurig, damit aufhören zu müssen. Hoffentlich ja nicht für immer. Oder hoffentlich findet sich in dem Anderen auch Freude?
Ach ja und der Trotz und das Trotzdem: Das Vikariatssystem verlangt uns als Familie mehrwöchige Trennungsphasen (in welcher Konstellation auch immer) ab. Auch weil ich das nicht wollte, habe ich viel Ausschau gehalten nach anderen (nicht mal Uni-)Stellen, die ich nicht bekommen habe. Jetzt mache ich es traurig und trotzdem. Und vielleicht wird es toll. We’ll see.
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