One last time: Lehre

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Ein letztes Mal breche ich gerade zur Lehrveranstaltung nach Göttingen auf. Dass ich durch den Lehrauftrag überhaupt die Möglichkeit bekommen habe, noch weiter „unterrichten“ zu dürfen, war ein großes Geschenk. Ich liebe das. Ehrlich. Ich mag es, meine Begeisterung für mein Fach zu vermitteln und zu merken, dass das Interesse da ist. Ich mag es, wenn Menschen ihre Aha-Momente teilen. Ich mag es, wenn ich durch die Diskussion andere Blicke auf die Quellen und Lektüre erhalte. Ich mag es, wenn die Lehr/Lern-Atmosphäre gut ist. Ich mag es, selbst zu überlegen, was für ein Thema wichtig ist und, wie ich es vermitteln könnte.

Im Zuge meiner Rigorosumsvorbereitung habe ich mich mit verschiedenen Lernverständnissen befasst. Da gibt es z. B. konstruktivistisches Lernen, das sehr stark davon ausgeht, dass durch die Aneignung von etwas als Wirklichkeit und somit in Bezogenheit auf das lernende Individuum etwas passiert. Eine Lehrperson ist dabei eher Moderator*in. Mir ist dadurch klarer geworden, dass ich wahrscheinlich genau so unterrichte oder das voraussetze.

Ich glaube aber auch, dass es Lernprozesse geben muss, bei denen der Bezug zur eigenen Erfahrung nicht das Dominante ist (das muss es wahrscheinlich beim konstruktivistischen Lernen auch gar nicht sein). Es gibt ja auch Wissensgehalte, deren Relevanz erst später aufscheint. Deswegen sind Grundlagen wichtig, wie mir auch das Göttinger Grundstudium stark vermittelt hat.

Ich hoffe, es ist nicht wirklich das letzte Mal. Im Vikariat werde ich in einer Schule unterrichten. Dann stelle ich mir den Begriff „unterrichten“ auch nochmal passender vor. Es mag Adultismus sein, aber das in unterschiedlicher Weise vorliegende Eigeninteresse von Studierenden, auf das ich aufbauen durfte, ist doch etwas anderes, als das Lehr/Lernsetting in der Schule.

Heute werden Studierende eigene Forschungsarbeiten präsentieren. Ich bin sehr gespannt darauf, was sie herausgefunden haben und, was sie daran besonders interessiert. Für sie ist es wahrscheinlich ein Semester wie jedes andere. Für mich ist es vorerst ein letztes Mal sowas wie Ernten und Mich-Freuen. Ich hoffe sehr, dass es nicht wirklich das letzte Mal bleibt.

Also falls wer einen Lehrauftrag für mich übrig hätte – ich bin dabei (und bin weite Strecken pendeln ja auch durchaus gewohnt).

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