Es ist vollbracht!

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Mittlerweile liegt mein Rigorosum schon zwei Wochen zurück. Es ist gut gelaufen und hat streckenweise sogar richtig Spaß gebracht. Weil nicht alle wissen, was ein Rigorosum ist bzw. wie das in München und speziell in meinem Fall abläuft, beschreibe ich ein bisschen, wie das alles lief und was mir geholfen hat.

Vorbereitung

Tatsächlich startete meine Vorbereitung im Grunde direkt nach der Abgabe. Ich musste zum Einreichen der Diss (Ende September 2023) schon meine Prüfer*innen angeben und hatte mich von den exegetischen Fächern für Neues Testament (NT) und von den weiteren Fächern für Religionspädagogik entschieden. Insgesamt musste ich nämlich ein Drei-Fächer-Rigorosum absolvieren, in dem mein Hauptfach, Kirchengeschichte, eine Stunde und die Nebenfächer jeweils eine halbe Stunde geprüft werden.

Im NT wollte ich mich über das Thema „Disablitysensible Perspektiven auf Wundergeschichten in den synoptischen Evangelien“ prüfen lassen und war froh, dass sich mein Prüfer darauf schnell und offen eingelassen hat. In der Vorbereitung habe ich wieder Bibelkunde gelernt und übersetzt, weil es einen allgemeinen Teil und einen Spezialgebietanteil in der Prüfung gab. Es ähnelte stark dem Examen.

In Religionspädagogik brauchte es etwas, bis das Thema sich herauskristallisiert hatte, aber im Endeffekt wurde ich zur EKD-Schrift „Religiöse Bildungsbiografien ermöglichen“ geprüft. In diese Prüfung durfte ich ein Themen- und Thesenpapier hineinnehmen. Ich habe mich einerseits an dem Bildungsbegriff der Richtungsanzeige vor dem Hintergrund von Bildungstheorien, die ich der religionspädagogischen Einführungsliteratur entnommen habe, abgearbeitet. Außerdem schien mir insgesamt religiöse Bildung sehr synonym mit Fragmentaritätsbewältigung. Zudem habe ich mich – auch inspiriert von der Kritik an der EKD-Synode von Sarah Vecera und Thea Hummel in ihrem Podcast – mit dem von Michael Domsgen eingeführten „Empowerment“-Leitgedanken auseinandergesetzt, der Schwarzes Wissen und den Kontext des Civil Rights Movement nicht genügend als solches kennzeichnet oder benennt. Mit Nora Meyer habe ich das Sprechen und Reindenken in die Prüfung geübt.

In Kirchengeschichte durfte ich 3 Themen für jeweils 20 Minuten Prüfungsblöcke auswählen. Diese durften nicht in zeitlicher Nähe zu meiner Dissertation sein und mussten aus verschiedenen Epochen stammen. So kam ich auf „Christentum und Imperium Romanum bis zur sogenannten Konstantinischen Wende“, „Reformatorische Flugschriften von Frauen“ und „Die Herrnhuter Brüdergemeine zur Zeit Konstantins“. Dank Dr. Dorothee Schenk, Dr. des. Benedikt Bauer und Dr. Camilla Wischer (geb. Schneider) konnte ich in Vorbereitung darauf auch jeweils mit Expert*innen der jeweiligen Themen ins Gespräch kommen. Das war eine enorme Hilfe!

Durchführung

Für mich begann die Prüfung in gewisser Hinsicht schon ein paar Tage vorher. Am Donnerstag fand mein Rigorosum statt, doch ich bin schon am Montag nach München losgefahren und hatte dort eine Unterkunft gebucht, um unabhängig und in meinem Turn die Sache durchziehen zu können. Das hat auch sehr gut geklappt, weil ich mit meiner Familie zum Frühstück und Abendbrot videotelefoniert habe und mich so auch in der Ferne mit ihnen verbunden gefühlt habe und dadurch auch den (Kleinkind-)Rhythmus beibehalten habe und mich nicht verrückt gemacht habe. Ich hatte großes Glück, dass meine ehemaligen Kolleg*innen vom Ethik-Lehrstuhl mir zeitweise Büros überlassen haben, sodass ich auch in der Uni Rückzugsmöglichkeiten hatte und so Kräfte schonen konnte. In München habe ich dann aber auch einfach liebe Leute getroffen und mich insgesamt auch von dieser Lebensphase noch einmal sehr bewusst verabschiedet… insgesamt war es ja schon ein Abschied auf Raten, weil ich im Dezember zum Dies ja auch nochmal da war.

Meine Prüfung ging um 13:30 Uhr los. Am Vormittag habe ich nochmal kursorisch meine Karteikarten (ja oldschool, I know) durchgeblättert, aber bin auch spazieren gegangen. Dann war erst die Stunde KG, die mir tatsächlich sowas wie Spaß gebracht hat. Ich habe nochmal sehr gemerkt, dass das „mein“ Fach ist und das tat gut. Die NT Prüfung lief so gut, wie exegetische Prüfungen bei mir bisher laufen konnten – nicht grandios, weil es eben nicht so sehr „mein“ Fach ist, ich mir also manche Logiken oder Hintergrundwissen nicht entsprechend angeeignet hatte, aber trotzdem irgendwie gut. Bei Religionspädagogik dachte ich die ganze Zeit, dass das nichts wird – wurde es aber. Zwischen den Prüfungsteilen waren etwa. 10–15 Minuten Pause. Mein letzter Satz in der Relpäd-Prüfung war „die innere Argula wecken“ – ein Bogen zurück zur KG-Prüfung.

Als ich rauskam aus dem Prüfungsraum waren schon viele liebe Leute versammelt. Zeitweise dachte ich, ich möchte einfach still und leise rausgehen, weil meine Familie nicht da sein konnte, aber ca. 2 Wochen vorher änderte ich diese Meinung. Es waren viele Leute da, die Tische gestellt und dekoriert hatten, die meine Getränkelieferung (verschiedene Fritz-Getränke aus Hamburg (!)) angenommen hatten und die in Göttingen (!) bestellten Cron und Lanz-Pralinen schön hingestellt haben und das tat enorm gut, vor diesem Raum nicht alleine warten zu müssen. Es dauerte wegen der zu unterzeichnenden Formulare lange.

Dann ging ich rein, erhielt meine Noten, über die ich mich sehr gefreut habe, ging raus und freute mich, zusammen mit allen anstoßen zu können und ins Gänseliesel (als Praline) beißen zu können, statt es in Göttinger Manier zu erklimmen und zu küssen. Ich habe total viele sehr schöne Geschenke erhalten – danke danke danke! Abends war ich noch in kleiner Runde mit meinem Doktorvater, und drei Freund*innen essen und dann fuhr ich mitten in der Nacht mit dem Zug nach Hause, weil am nächsten Tag die Krippe aufgrund einer Fortbildung zu war und mein Mann eine Beerdigung hatte.

Danach

Zuhause angekommen fiel die Last erst nach und nach ab – und damit wahrscheinlich auch mein Immunsystem in gewisser Hinsicht. Am Wochenende konnte ich noch ein bisschen im Norden feiern. Eigentlich hatte ich mir viele Termine in die Woche nach dem Rigorosum gelegt, weil ich dachte: Dann habe ich endlich wieder Zeit für verschiedene Projekte! Aber Pustekuchen. Ich lag eine Woche im Bett und dann sind wir verschnupft im Familienurlaub gewesen. Und jetzt? Jetzt geht es um die Veröffentlichung. Das braucht auch seine Zeit, wie ich von vielen weiß.

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