Evangelische Frauenordination im geteilten Deutschland

Die Ordination von Frauen war eine der herausragenden Errungenschaften der deutschen Protestantismusgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die egalitäre Ausübung des Pfarramtes von Frauen ist allerdings bis heute keineswegs selbstverständlich – weder im Bereich der evangelischen Kirchen Deutschlands noch in globaler oder ökumenischer Hinsicht, wo Kirchen, die Frauen ordinieren, eine deutliche Minderheit darstellen.
Da die einzelnen Landeskirchen ihre eigenen Dienstrechte verabschiedeten, ist auch die Aufarbeitung der Geschichte der Frauenordination bisher primär in regionalgeschichtlicher Perspektive geschehen. In meiner Dissertation verschiebt sich der Blickwinkel: Die Frauenordination wird vor allem anhand der Diskurse innerhalb der Landeskirchenzusammenschlüsse der EKD, EKU, VELKD und des BEK in die gesellschaftlichen Kontexte der beiden deutschen Staaten eingeordnet. Wenn auch auf Landeskirchenebene verabschiedet, wurde dennoch das Pfarrdienstrecht stark in den (konfessionellen) Verbänden diskutiert. Diese Diskussionen werden diskursanalytisch untersucht und Diskursstränge vor dem Hintergrund eines verflechtungsgeschichtlichen Zugangs zur deutsch-deutschen Geschichte herausgearbeitet. So werden folgende Fragen behandelt: Welche Diskussionsmotive prägen die Öffnung des Pfarramts für Frauen? Inwiefern beeinflussen die verschiedenen Staatssysteme die kirchliche Diskussion und Rechtsentwicklung? Stellt die Frauenordination einen Sonderfall in ihren gesellschaftlichen Kontexten in der akademischen Frauenerwerbstätigkeit dar?

Die Dissertation habe ich im September 2023 eingereicht und im Februar 2024 mein Rigorosum mit magna cum laude bestanden. Im November 2024 habe ich die Information erhalten, dass meine sie in der Reihe der „Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte Reihe B“ erscheinen kann. Dafür stehen nun redaktionelle Änderungen an.