Ich habe mir vorgenommen, 2026 wird das Jahr des „Nö“. Nö zu Dingen, die eigentlich und auf unterschiedliche Art und Weise zu viel sind. Klappt das? Halb und halb. Ja, ich habe auch Absagen geschrieben. Und ja, das hat sich wie Befreiungen angefühlt bei aller Ambivalenz und Schuld, die für mich dabei trotzdem aufkommt. Aber natürlich gibt es auch die anderen Dinge, die ich zusage und mich dann an einem späteren Zeitpunkt frage, wie das alles gehen soll. Und ja, ich stoße natürlich auch seeeehr gern selbst Projekte an. Und ja, über weite Strecken stimmt Teamwork makes the Dream work, aber nicht immer.
Wenn ich also jetzt in dem Gefühl, dass ich ja nur noch ein knappes Jahr hier habe (immerhin ein Drittel meiner Vertragslaufzeit insgesamt, aber trotzdem fühlt es sich nach Druck an), darauf schaue, was kommt oder welche Projekte aktuell laufen, dann habe ich echt einiges vor mir, auf das ich mich freue und zu dem ich, auch weil ich anderes abgesagt habe, beherzter Ja sagen konnte und kann.
Direkt zu meiner Arbeit gehörig: Ich darf eine Vorlesung halten. Das erste Mal. 2000 Jahre Christ*innentumsgeschichte. Und das „mal eben“ zu komprimieren ist keineswegs leicht. Es ist nur eine kleine Gruppe, was es etwas entspannter macht, und die Vorlesung findet in einem Seminarraum statt, sodass es auch nicht unangenehm wenig Leute in einem viel zu großen Raum sind. Ich baue immer eine Quellenarbeit und verschiedene Murmelrunden ein, weil mir das methodisch und inhaltlich wichtig ist, direkt an Quellen zu arbeiten und gemeinsam an diesen zu arbeiten und das bringt mindestens mir Freude. Zugleich gibt es mir etwas Zeit zum Verschnaufen, nicht wirklich die kompletten 90 Minuten am Stück zu reden. Warum notiere ich das so explizit als „Projekt“? Die Vorbereitung ist sehr viel umfassender als das sonst bei Seminaren der Fall ist. Das muss und soll so, aber ist eben anders als die letzten Semester und gefühlt ein anderer Druck. Die Vorlesung läuft nicht „nebenbei“, sondern braucht viel Aufmerksamkeit. Außerdem ist das Seminar in diesem Semester deswegen besonders aufregend und auch anders vorbereitungsbedürftig, weil ich es mit einer Kollegin aus der Geschichtswissenschaft gemeinsam gebe. Wiederum: Viel Freude, aber natürlich sind dadurch auch andere Absprachen nötig als wenn ich meinen eigenen Stiefel durchziehe.
Aber eigentlich wollte ich (mir) ja auch einen Überblick über die anderen Projekte verschaffen und damit meine ich jetzt nicht Schreibprojekte, sondern Tagungen, die ich mit vorbereite oder irgendwie organisatorisch involviert bin.
#thirdmission: Am 11. Mai, also einen Tag nach dem „Muttertag“ findet eine Veranstaltung in der VHS Celle statt, die ich vorbereitet habe und moderiere: https://www.vhs-celle.de/programm/politik-gesellschaft-umwelt/kategorie/Philosophie+Religion/301
Ende Juli 2026: Gemeinsam mit zwei Kirchenhistorikern habe ich einen Workshop für Forschende im Themenfeld Toleranz in der Frühen Neuzeit organisiert, der in Dänemark stattfindet.
#thirdmission bzgl. Kirche: Am 28. September und am 7. November bin ich bei Workshops im kirchlichen Rahmen im Themenfeld Antifeminismus bzw. Kirche und Rechts(extremismus) und queerfreundliches Kirchesein unterwegs. Das organisiere ich beides nicht, aber da bringe ich dann Parts mit.
Ende Oktober: 6. Kritische Religionswissenschafts- und The*logie-Tage! Hier haben wir im letzten Jahr eine neue Struktur ausprobiert der Zusammenarbeit und das läuft aus meiner Sicht jetzt super und besser auf verschiedene Schultern und Köpfe verteilt: https://www.kritischetage.de/open-call-2026
8. bis 10. November: Tagung der dt. Sektion der ESWTR zum Thema „Dis/ability – interreligiös und genderbezogen“. Das ist jetzt wirklich schon ein langes Lied in der Vorbereitung gewesen und darauf bin ich aber auch sehr gespannt!
19./20. November: Tagung von IVWM, ETFT, KIET und EKD zu „KI, Theologie und Diskriminierung“. Hier bin ich als Vorsitzende in der Mittelbauvertretung involviert – eben im Kontakt mit Evangelisch Theologischem Fakultätentag, Konferenz der Institute für Evangelische Theologie und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das macht es nochmal anders, dass es nicht einfach „nur“ Freund*innen und Co sind, mit denen ich zusammen an etwas arbeite, sondern quasi qua Amt in eine Organisation involviert bin.
20.–22. November: Workshop in der Woltersburger Mühle gemeinsam mit Charlotte Jacobs und Sonja Thomaier organisiert für die Evangelischen Frauen* der Hannoverschen Landeskirche
3.–5. Dezember: Das ist eher so just for fun gerade, aber eben ein Herzensprojekt: Gedenken an Benjamin Britten anlässlich seines 50. Todestages. Vom Format her noch ziemlich frei, aber auch das in kollegialer Kooperation.
Februar 2027: „Kirche ordnen?!“ Eine Tagung in Oldenburg zu Veränderungen von Kirche und wie diese sich in Verwaltung und Recht im 19. und 20. Jahrhundert ausgestaltet haben; gemeinsam vorbereitet mit PD Dr. Benedikt Brunner
April 2027 (meine letzten Diensttage lt. Vertrag): eine Tagung im Gedenken an Marcella Althaus-Reid in Wahrnehmung dessen, wie sich ihr Erbe weiter entwickelt (https://blogs.ed.ac.uk/marcella_althaus_reid_conference/2026/01/14/welcome/)
Ich merke: It’s a lot. Und ein bisschen, glaube ich, auch die Reaktion darauf, dass meine Zeit hier abläuft. Denn manche Dinge lassen sich nur dann organisieren bzw. anstoßen, wenn eine institutionelle Bindung vorliegt (zumindest so mein Eindruck). Und ich bin froh über diese Gestaltungsräume und Zusammenarbeiten.
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